Zwei Mountainbikerinnen stehen vor einer Ausschilderung von Wegen des Isartaltvereins
Rund 30 Kilometer zwischen München und Schäftlarn sollen künftig als MTB-Trail ausgewiesen werden, wilde Wegvarianten werden rückgebaut. DAV München/ Ralf Glaser
Bea Draese und Uli Mund im Interview

Hand in Hand für die Trails

Wer in und um München gern MTB fährt, kennt das Auf und Ab bei den Trails in den Isarauen. Sie sind hochfrequentierter Naherholungsraum und gleichzeitig Natura-2000-Gebiet, und es brauchte mehrere Anläufe, bis ein geeignetes Nutzungskonzept erstellt wurde und nun umgesetzt werden kann. Bea Draese und Uli Mund kümmern sich hauptberuflich und ehrenamtlich um das Projekt „Isartrails“ unter der Trägerschaft der Sektion München und geben Einblicke.

Porträt einer Frau mit braunen Haaren, die lächelnd in die Kamera blickt. Christine Frühholz

Welche Rolle hast du beim MTB-Projekt deiner Sektion?

Porträtbild von Bea Draese, hauptberufliche Projektleiterin des Projekts Isartrails unter der Trägerschaft der Sektion München Bea Draese

Ich leite das Projekt hauptberuflich im Auftrag des Landkreises und der Landeshauptstadt München. Als ich 2023 meinen Job als Ressortleitung Natur-, Umwelt- und Klimaschutz in der Sektion München begonnen habe, gab es das Projekt mit großem Fragezeichen unter dem Namen „NaturErholung Isartal“. Ich hatte
davon gehört, dass es so ein Mountainbike-Projekt gibt, das vielleicht in mein Aufgabengebiet fällt. In den letzten zwei Jahren wurde das dann Realität.

uli-mund-isartal-dav-muenchen-ralf-glaser.jpg Uli Mund

Seit 2013 bin ich Fachübungsleiter Mountainbiken, in der MTB-Gruppe M97 der Sektion bin ich stellvertretender Gruppenleiter. Ich fahre schon immer auf den Isartrails und habe an der Erarbeitung des Lenkungskonzepts „NaturErholung Isartal“ mitgewirkt. Es wurde in Zusammenarbeit mit Radsportverbänden
(DIMB, ADFC, MTB-Club München), Naturschutzverbänden, Isartalgemeinden und den Bayerischen Staatsforsten entwickelt. Die MTB-Gruppe der Sektion war von Anfang an mit dabei – für uns in der M97 war es immer sehr wichtig, dass die Interessen der Bike-Gemeinde vertreten werden.

Porträt einer Frau mit braunen Haaren, die lächelnd in die Kamera blickt. Christine Frühholz

Was ist den Aktiven im Sport in Sachen Isartrails besonders wichtig?

uli-mund-isartal-dav-muenchen-ralf-glaser.jpg Uli Mund

Dass nicht einfach nur Forstwege ausgeschildert werden und man dann anstatt über Teer einfach über Schotter fährt. Wir müssen ein Angebot bieten, das die Leute auch wirklich nutzen können. Und – das ist unter Naturschutzaspekten wichtig: Dass wir damit die Leute aktiv auf offizielle Trails leiten. Wir haben das in den Coronazeiten gesehen: Es sind immer mehr wilde Trails entstanden, die Leute sind irgendwelche Abkürzer gefahren oder sind irgendwo vom Berg runter. Und dann entsteht ein totaler Wildwuchs. Wenn wir die Menschen auf bestimmte Strecken lenken und andere Strecken „totlegen“, dann ist das die einzige Möglichkeit, einen Teil des Raums zu renaturieren.

Porträtbild von Bea Draese, hauptberufliche Projektleiterin des Projekts Isartrails unter der Trägerschaft der Sektion München Bea Draese

Die ersten Nachfragen zu den Isartrails kamen bereits, ob unsere MTB-Trainer*innen bald Techniktrainings auf attraktiven Trails anbieten können. Das Projekt kommt gut an – gerade, weil das wohnortnahe Angebot für unsere Fachübungsleiter*innen nicht so groß ist.

uli-mund-isartal-dav-muenchen-ralf-glaser.jpg Uli Mund

In mittelgebirgsnahen Regionen konzentriert sich das Mountainbiken von vornherein sehr stark auf die Trails vor Ort; in München sind wir schon deutlich näher an den Alpen. Trotzdem können auch wir nicht jeden Tag in die Berge. Das Mountainbiken an der Isar ist klassische Naherholung und geht direkt von der Haustür weg, ohne den Zündschlüssel zu drehen oder das E-Auto zu bewegen.

Porträtbild von Bea Draese, hauptberufliche Projektleiterin des Projekts Isartrails unter der Trägerschaft der Sektion München Bea Draese

Das ist ein gutes Stichwort: Wir wollen ein attraktives, wohnortnahes Angebot für Mountainbiker*innen schaffen. Was wir nicht wollen: die Trails wie ein großes Marketingprodukt pushen und einen Hotspot schaffen, der das Isartal überfüllt. Wir engagieren uns vor allem in dem Projekt, weil es ein Naturschutzprojekt ist. Wir wollen durch Lenkung das Isartal gezielt beruhigen und Naturraum wiederherstellen und gleichzeitig ein Angebot schaffen für diejenigen, die hier leben.

Porträt einer Frau mit braunen Haaren, die lächelnd in die Kamera blickt. Christine Frühholz

Die Sektion hat die Trägerschaft für die Isartrails übernommen. Wie kam es dazu?

Porträtbild von Bea Draese, hauptberufliche Projektleiterin des Projekts Isartrails unter der Trägerschaft der Sektion München Bea Draese

Es gab bereits seit 2017 das von allen beteiligten Behörden, Radverbänden, Naturschutzverbänden und Interessengruppierungen unterzeichnete Lenkungskonzept. Damals war das Sportreferat der Landeshauptstadt München auf die Sektion zugegangen und hat gefragt: „Könnt ihr euch an den runden Tischen beteiligen?“ Ins Stocken brachte das Ganze dann immer wieder neben Fragen der Finanzierung die Haftungsfrage. Als DAV haben wir bereits eine große Expertise im Wegeunterhalt, und die Sportart ist bei uns zu Hause. Die Landeshauptstadt und der Landkreis München kamen dann eben auch bei der Frage Trägerschaft auf uns zu. Der Vorstand hat das Projekt 2022 bewilligt, sofern die Finanzierung sichergestellt ist.

Porträt einer Frau mit braunen Haaren, die lächelnd in die Kamera blickt. Christine Frühholz

Trails bauen ist das eine, Trails unterhalten das andere. Wie stark seid ihr auf die Unterstützung der Bike-Community angewiesen – Stichwort ehrenamtliches Engagement?

Porträtbild von Bea Draese, hauptberufliche Projektleiterin des Projekts Isartrails unter der Trägerschaft der Sektion München Bea Draese

Planung und Bau müssen wir professionell abwickeln lassen, das ist weder zeitlich noch bautechnisch ehrenamtlich zu leisten. In dieser Zeit ist es wichtig, alle Interessengruppen mitzunehmen und sich auszutauschen. Das sind einmal unsere Mitglieder und unsere MTB-Gruppe und auch andere Naturschutz- und Mountainbikeverbände sowie weitere Interessengruppen, die sich engagieren wollen – das ist sehr wertvoll. Gerade im Hinblick auf den Unterhalt der Trails, den wir als Sektion leisten müssen. Als Träger sind wir für die Instandhaltung des Wegenetzes, die Beschilderung und die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich.

Porträt einer Frau mit braunen Haaren, die lächelnd in die Kamera blickt. Christine Frühholz

Wie kann so eine ehrenamtliche Unterstützung aussehen?

uli-mund-isartal-dav-muenchen-ralf-glaser.jpg Uli Mund

Die Aufgabe von uns sportlich organisierten Ehrenamtlichen sehe ich darin, dass wir versuchen, die Leute, die überhaupt nicht in einem Verein wie dem DAV organisiert sind, zu erreichen. Wir müssen sie informieren und deutlich darauf hinweisen: Wenn das ganze Ding nicht funktioniert – es ist ja erst einmal ein Projekt auf Zeit – könnten im schlimmsten Fall komplette Sperrungen drohen.

Porträtbild von Bea Draese, hauptberufliche Projektleiterin des Projekts Isartrails unter der Trägerschaft der Sektion München Bea Draese

Es wäre natürlich toll, wenn wir es – wie bei unseren klassischen Arbeitsgebieten in den Alpen auch – schaffen, spezielle Wegewart*innen oder ein Unterstützersystem aufzubauen: Menschen, die Lust haben und sagen: Dieser Streckenabschnitt zwischen z.B. Großhesselohe und Grünwald gefällt mir besonders – hier bin ich Trailpate. Wenn es gestürmt hat, fahre ich dorthin und sehe nach, ob alles passt. Dass Leute sich ehrenamtlich engagieren, ist schon ein Commitment. Das machst du vor allem – meine Einschätzung – dann, wenn du eine Verbundenheit zu deinem Verein hast, wenn du hier in der Jugendgruppe aufgewachsen bist oder Jugendleiter*in warst. Und ich setze dabei auf unseren großen Kosmos der Sektionen München & Oberland mit rund 200.000 Mitgliedern.

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