Eine Person mit großem Rucksack steht auf einem Felsen im Wald und blickt in die Ferne unter blauem Himmel.
Zeit, um Natur und Ausblicke zu genießen, sollte man auf dem Forststeig definitiv ausreichend einplanen. Foto: DAV/Cornelia Kress
Zelttrekking in der Sächsischen Schweiz

Kleine Berge, großes Erlebnis

Aufregende Mehrtagestouren gibt’s nur in den Alpen? Abgesehen vom exorbitanten Rucksackgewicht gibt es bei einer Zelttrekkingtour auf dem Forststeig traumhafte Natur und ungewöhnliche Nächtigungsorte zu entdecken.

Hüttenschuhe. Mehr fällt uns auf Seite der Gepäckersparnisse nicht ein. Dafür wurde aus dem Hüttenschlafsack ein Drei-Jahreszeiten-Schlafsack, aus dem Müsliriegel drei Mahlzeiten pro Tag, und Zelt, Isomatte, Kocher, Geschirr kamen auch noch dazu. Das empfohlene Rucksackgewicht von maximal 25 Prozent des Körpergewichts haben wir deutlich überschritten. Und dann fängt es auch noch auf den ersten Kilometern an zu regnen. Insgesamt vielleicht nicht die besten Voraussetzungen, um gut gelaunt in ein Zelttrekking zu starten. Doch dann spitzt die Sonne durch die Wolkendecke, taucht Wald und Felsen in warmes Herbstlicht und malt einen Regenbogen an den Horizont. Und sowieso: Das Abenteuer ruft, da bleibt kein Platz für schlechte Laune.

Bis auf wenige Kilometer Forststraße kommt auf den Etappen keine Langeweile auf. Foto: DAV/Cornelia Kress

Drei Tage lang erkunden wir den Forststeig in der Sächsischen Schweiz. Los geht’s am Nationalpark-Bahnhof Bad Schandau, von dort sind es nur einige Schritte, bis wir vom Wald verschluckt werden. Fliegenpilze am Wegrand, von Borkenkäfern in Baumstämme gefressene Kunstwerke und vor allem die Felsformationen, die bewundert und erkundet werden wollen, bremsen uns aus. Felsstufen, Leitern und umgestürzte Bäume, die gepaart mit dem schweren Gepäck zu kleinen Hindernissen werden, tun ihr Übriges. Und so wird aus einer gemütlichen Vier-Stunden-Etappe ein kleiner Wettlauf um das letzte Tageslicht.

Das Quirl-Biwak, unser Tagesziel, liegt ruhig mitten im Wald. Hier gibt es eine Komposttoilette, einen überdachten Picknicktisch und Platz für fünf kleine Zelte. Fix buchen kann man sie nicht – die Trekkingtickets, die man beim Nationalparkzentrum bestellen kann, sind nicht an feste Tage gebunden. Doch heute sind wir die einzigen Gäste. Das Zelt ist schnell aufgebaut – zum Glück, denn die Bäuche rumoren schon und der Linseneintopf aus der Dose braucht auf dem Campingkocher länger als gedacht. Statt geduldig zu warten, löffeln wir ihn lauwarm direkt aus dem Topf. Nach einem langen Anreise- und Wandertag ist es, einsam, mitten im Wald, das leckerste Essen, das wir uns vorstellen können, da sind wir uns einig. Und das Beste: Je mehr wir essen, desto leichter werden unsere Rucksäcke. Was will man mehr?

Der Forststeig bietet die Möglichkeit, in unberührter Natur zu übernachten. Foto: DAV/Cornelia Kress

Spartanische Gemütlichkeit

Die Nacht hätte erholsamer sein können, aber auch mit wenig Schlaf starten wir gut gelaunt in Tag zwei. Wir packen unsere sieben Sachen zusammen, lösen unsere Trekkingtickets, tragen uns ins Trekkingbuch ein und dann geht es auch schon weiter. Heute stehen gut 21 Kilometer und fast siebenhundert Höhenmeter auf dem Plan. Der Weg zu unserem Ziel, der Rotsteinhütte, ist abwechslungsreich: Wurzelpfade und Leitern wechseln sich ab mit Wiesenwegen und Bachläufen, immer wieder geht es durch beeindruckende Felsformationen und auf aussichtsreiche Gipfel. Doch, auch das gehört zur Wahrheit: Die wenigen Kilometer dazwischen, die uns über Forststraßen führen, fühlen sich schier endlos an. Die Euphorie, als die Rotsteinhütte in Sicht kommt, ist entsprechend groß.

Die kleine Hütte im Wald hat ein paar Schlafkojen ohne Matratzen, einen Ofen, einen Tisch und sonst eigentlich nichts. Die Ausstattung ist noch spartanischer als in einem Winterraum. Das macht unseren Abend dort nicht weniger gemütlich – im Gegenteil. Mit einem heißen Tee genießen wir den kühlen Herbstabend, lauschen dem Vogelkonzert und spielen eine Runde Alpenquartett.

Herbstflair mit Fliegenpilz auf dem Forststeig. Foto: DAV/Cornelia Kress

Unsere letzte Etappe auf dem Forststeig fällt kürzer aus als ursprünglich geplant. Wegen Forstarbeiten ist ein Teil des Weges gesperrt. Die Schleife, die uns noch zum Turm der Felsenbrüder geführt hätte, müssen wir daher auslassen und wandern an Rosenthal vorbei auf relativ direktem Weg zum krönenden Abschluss unserer Tour: der Daxensteinbaude. Bei dem kleinen Imbiss gönnen wir uns eine Portion Pommes und eine kalte Schorle und lassen unsere Tour Revue passieren. Für uns ist klar: So eine Mittelgebirgstour ist keine „kleine Version“ einer Hüttentour in den Alpen, sondern ein ganz eigenes, wunderbares Abenteuer.